Walliser Bote 3. Juli 1969
 
 
Vor dem Tambouren- und Pfeiferfest
Die Leuker Sonnenberge sind bereit
 
Irgendwo im Niemandsland zwischen deutschem und welschem Wallis scheinen die Dörfer der Leuker Sonnenberge zu liegen. Wohl kennt man ihre Namen, wohl hat man schon von ihrem zähen Ringen um eine gesunde und gesicherte Existenzgrundlage gehört, doch sie waren zu lange abgeschlossen, liegen Deutsehen und Welschen zu stark abseits, als dass man sie wirklich kennen würde. Am nächsten Wochenende aber sollen sie, für die Freunde der Ahnenmusik wenigstens, zum Treffpunkt werden: Die Sektion «Leuker Sonnenberge» führt in Feschel und Guttet das 29. Oberwalliser Tambouren- und Pfeiferfest durch. Das Fest und die Dörfer vorzustellen, war Zweck einer Pressekonferenz, zu der die Organisatoren am Montag einluden.

 
Verspätet, doch nicht hoffnungslos
Lange lebten die Einwohner von Guttet und Feschel- ohne das, was man heute als lebensnotwendig erachtet: Der erste Tele-phonanschluss wurde erst 1919 gebaut, die Verbindungsstrasse erreichte die Dörfer erst 1,948. Bis dahin mussten Material, Güter und Post zu FUSS oder mit Mauleseln in die Berge geschafft werden. Bis in den Jahren 1956/57 die Trinkwasserversorgung abgeschlossen wurde, mussten die Leute in Guttet mit drei Brunnen auskommen, und wenige unserer Ge- gend mussten länger auf den Strom warten| als sie. Und wenn in neuerer Zeit die Er-schliessung auf mannigfache Weise trotz der anscheinend rettungslos verspäteten Entwicklung vorangetrieben wird, so ist das sicher nicht blosser Zweckoptimismus, nicht nur sprichwörtlicher Durchhaltewillen, es ist auch Weitsicht und die Fähigkeit, Möglichkeiten auszunutzen.

 

Der wohlversehene Fähnrich der Sektion "Leuker Sonnenberge"
Ein Platz an der Sonne
Der Anschluss an Gemeinden zeitgemässer Prägung ist im vollen Gange: Es gibt bereits Hotelbetten und Dutzende von Ferienwohnungen, die Alpe wird bald erschlossen sein, ein neues Pfarrhaus ist bereits gebaut. Vieles ist bereits verwirklicht, bedeutend mehr aber im Stadium der Projektierung oder doch wenigstens des Studiums: Kanalisation, Schulhaus und Friedhof, Gondelbahn und Verbindungen zu anderen Dörfern. Vieles kann nur durch Zusammenarbeit oder gar Zusammenschluss der Gemeinden verwirklicht werden. Die Idee
 

eines Zusammenschlusses ist freilich viel schneller gedacht als ausgeführt. Doch trotz allem scheint es möglich, dass die Leuker Sonnenberge in den nächsten Jahren auch einen Platz an der Sonne im übertragenen Sinn erobern können.

Das sind also die Leute, die am nächsten Wochenende Grossbesuch erwarten und erhoffen, und mit Grund: Programm und Unterhaltung, Arbeit und Investition sind, wie die Pressekonferenz gezeigt hat, nicht nur gross, sondern auch gut.
 
Grosser Unterhaltungsabend
in Sicht

Guttet-Feschel. — Am Vorabend des 29. Oberwalliser Tambouren- und Pfeiferfestes führt die Sektion «Leuker-Sonnenberge» am 12. Juli einen Unterhaltungsabend durch, der für ein Bergdorf sicher einmalig ist. Aussergewöhnlich daran ist die Verpflichtung namhafter Künstler, ausser-gewöhnlich aber auch das Festzelt, das über tausend Zuschauern Platz bietet.
Bemerkenswertes Können verlangen die Darbietungen des Balanceartisten Carelo und der Akrobaten The Catoons. Die grossen Stimmungsmacher aber sind The five friends, ein Show-Quintett mit den humorvollsten musikalischen Produktionen.
Aber auch für Liebhaber des Volkstümlichen wird gesorgt. Der Jodelklub Naters sowie das Glockenspiel Burgener bedürfen keiner weitern Vorstellung. Für die Leitung zeichnet Schnydrig W. verantwortlich, während die Tanzkapelle Fan Boy den Ausklang des Abends übernimmt.
 
Letzte Aktualisierung: 3.4.2002