| Guttet. — Zwar
steht irgendwo in alten
Satzungen nachzulesen, dass
der löbliche
Brauch des gemeinsamen Brotbackens
in Guttet «bestehen
bleiben
solle, solange die
Berge stehen»
— aber
wie so manche Sitte
aus alter Zeit, drohte auch
diese Gepflogenheit in Vergessenheit zu
geraten, denn schon seit
geraumer
Zeit kommt in den Familien
Brot aus
dem Tal auf den Tisch.
Während einigen Jahren blieb
darum der
Ofen in dem von der Burgerschaft
Ende der vierziger Jahre
erstellten stattlichen Backhaus
kalt. Dann
aber kamen |
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einige Dorfbewohner
auf den Gedanken, sich einmal unter kundiger Anleitung von alterfahrenen
Kennern in die Geheimnisse der Roggenbrotherstellung einweihen zu
lassen. Freilich — auch in den Leu-kerbergen sind die letzten
Brotgetreideäcker der Vergandung anheimgefallen und das Mehl holt
man aus den Grossmühlen. Das aber kann den «Backfreuden»
der drei Hobbybäcker Toni Kuonen, Karl Koppel und Jules Witschard
keinen Abbruch tun. «Einmal versorgen wir uns und andere
mit Roggenbrot. Dann haben wir Freude an diesem alten Brauch, und
die ganze Sache macht uns einfach Spass», erklärte das Bäk-ker-Trio
von eigenen Gnaden. So kommt es, dass Jules Witschard für anderthalb
Tage die Pedicure und Karl Köppel und Toni Kuonen ihre Installationsarbeiten
stehen und liegen lassen, und dafür für einmal zumindest «im
Geiste» die Bäckerschürze umbinden.
Schon am Dienstagabend
entfachten sie Feuer im grossen Backofen und heizten auch in der
Backstube tüchtig ein — denn was ein gutes Roggenbrot werden will,
braucht neben der richtigen Wahl des Mehls und der Zutaten — vor
allem Hitze! Als wir die drei Freizeitbäcker gestern vormittag besuch-
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ten, liessen sie
gerade den Teig gehö-rig ziehen — vier Stunden mindestens, wie sie
sagen —, bevor er in den Ofen kommt.
Lohn der Mühen (und
auch des ganzen Spasses) sind schliesslich gegen 100 Roggenbrote
urchiger Machart, die in den eigenen Familien und im Bekanntenkreis
reissenden Absatz finden. Als die Bäckermeister des Ober-wallis
vor einiger Zeit in der Region ihre Tagung abhielten, liessen sie
sich Roggenbrot von Guttet auftischen . . .
Was bis vor einigen
Jahrzehnten zu den selbstverständlichsten Verrichtungen in einer
dörflichen Gemeinschaft gehörte, ist heute schon ein Kuriosum. Vielleicht
ist auch dies ein Gradmesser dafür, dass unsere Bergdörfer mehr
und mehr ihre Seele verlieren, zu reinen Schlafstätten entwertet
werden und auf lange Sicht nur dann überleben können, wenn sie irgendwie
den Rank in eine touristische Zukunft finden. Und dann, eines Tages,
wird viel — leicht ein örtlicher Verkehrsverein für die grossstadtmüden
und supermarktübersättigten Gäste alle zwei Wochen — ein «Plauschbak-ken»
organisieren ... Ith
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