Walliser Bote 4. Februar 1981
 
 
Seit einigen Jahren halten Toni Kuonen, Karl Koppel und Jules Witschard im kleinen Berg-dorf Guttet einen alten Brauch hoch — sie backen nach alter Väter Sitte Roggenbrot! Wir besuchten sie gestern im Backhaus von Guttet:
Die Hobby-Bäcker von Guttet...
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Guttet. — Zwar steht irgendwo in alten Satzungen nachzulesen, dass der löbliche Brauch des gemeinsamen Brotbackens in Guttet «bestehen bleiben solle, solange die Berge stehen» aber wie so manche Sitte aus alter Zeit, drohte auch diese Gepflogenheit in Vergessenheit zu geraten, denn schon seit geraumer Zeit kommt in den Familien Brot aus dem Tal auf den Tisch. Während einigen Jahren blieb darum der Ofen in dem von der Burgerschaft Ende der vierziger Jahre erstellten stattlichen Backhaus kalt. Dann aber kamen  
einige Dorfbewohner auf den Gedanken, sich einmal unter kundiger Anleitung von alterfahrenen Kennern in die Geheimnisse der Roggenbrotherstellung einweihen zu lassen. Freilich — auch in den Leu-kerbergen sind die letzten Brotgetreideäcker der Vergandung anheimgefallen und das Mehl holt man aus den Grossmühlen. Das aber kann den «Backfreuden» der drei Hobbybäcker Toni Kuonen, Karl Koppel und Jules Witschard keinen Abbruch tun. «Einmal versorgen wir uns und andere mit Roggenbrot. Dann haben wir Freude an diesem alten Brauch, und die ganze Sache macht uns einfach Spass», erklärte das Bäk-ker-Trio von eigenen Gnaden. So kommt es, dass Jules Witschard für anderthalb Tage die Pedicure und Karl Köppel und Toni Kuonen ihre Installationsarbeiten stehen und liegen lassen, und dafür für einmal zumindest «im Geiste» die Bäckerschürze umbinden.
Schon am Dienstagabend entfachten sie Feuer im grossen Backofen und heizten auch in der Backstube tüchtig ein — denn was ein gutes Roggenbrot werden will, braucht neben der richtigen Wahl des Mehls und der Zutaten — vor allem Hitze! Als wir die drei Freizeitbäcker gestern vormittag besuch-
 
ten, liessen sie gerade den Teig gehö-rig ziehen — vier Stunden mindestens, wie sie sagen —, bevor er in den Ofen kommt.
Lohn der Mühen (und auch des ganzen Spasses) sind schliesslich gegen 100 Roggenbrote urchiger Machart, die in den eigenen Familien und im Bekanntenkreis reissenden Absatz finden. Als die Bäckermeister des Ober-wallis vor einiger Zeit in der Region ihre Tagung abhielten, liessen sie sich Roggenbrot von Guttet auftischen . . .
Was bis vor einigen Jahrzehnten zu den selbstverständlichsten Verrichtungen in einer dörflichen Gemeinschaft gehörte, ist heute schon ein Kuriosum. Vielleicht ist auch dies ein Gradmesser dafür, dass unsere Bergdörfer mehr und mehr ihre Seele verlieren, zu reinen Schlafstätten entwertet werden und auf lange Sicht nur dann überleben können, wenn sie irgendwie den Rank in eine touristische Zukunft finden. Und dann, eines Tages, wird viel — leicht ein örtlicher Verkehrsverein für die grossstadtmüden und supermarktübersättigten Gäste alle zwei Wochen — ein «Plauschbak-ken» organisieren ... Ith
 
Letzte Aktualisierung: 3.4.2002