Walliser Bote - 28. Dezember 1988
         


 

und drückt damit jedem Brotlaib seinen Stempel auf. Die drei Einkerbungen auf dem Brot lassen das Wasser besser verdunsten. Nachdem die Roggenbrote mit Mehl bestäubt sind, ruhen sie

zwanzig Minuten.
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Inzwischen arbeitet der Heizer auf Hochtouren am Backofen. Die Backsteine haben dank der Glut die rich-
tige Temperatur; die Wölbe des Ofens strahlt Hitze zurück. Mit einer meterlangen Schaufel sammelt der Heizer die glühende Holzkohle im Backofen ein und deponiert sie vor dem Ofen. Wasser macht den letzten züngelnden Flammen den Garaus. Und wieder nimmt der Heizer ein meterlanges Gerät zur Hand: Mit einem Lumpen wird der
Backofen gesäubert.
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Und dann geht alles sehr schnell. Gezielt landet ein Brotlaib nach dem andern auf seinem Platz im Backofen. Innerhalb von wenigen Minuten sind rund 140 Roggenbrote im Ofen verstaut. Vorausgesetzt, die Temperatur entspricht den Idealvorstellungen, so dauert die
Backzeit 45 bis 60 Minuten.

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Die noch heissen Brote werden in Tragkörben gestapelt, zum Spycher getragen und dort in Reih und Glied ausgelegt. Frauen helfen mit beim Transport. Je nach Qualität des Spychers lagern 2000 Laibe drei Tage bis drei Wochen. «

 
Schwerarbeit bei 36 Grad      
Feschel. — Mit nacktem Oberkörper steht jeder an seinem Platz und krampft. Der eine knetet. Der nächste formt einen groben Teigknollen. Zwei weitere drehen eine anderthalb Meter lange Teigwurst.. Aus den abgeschnittenen Portionen macht der Danebenstehende Teigtürme. Dann die eigentliche Brotform, drei Kerben mit dem Messer, mit Mehl be-stäuben. Und ab in den Ofen. In der Backstube herrschen
tropische Temperaturen.
Von der Stirne heiss .. .
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Jedes Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr wird in Feschel Roggenbrot gebak-ken. Im Herbst nimmt Backchef Andreas Schmidt die Anmeldungen für die «Ba-chete» entgegen, wobei in Einheiten zu je 100 kg Roggenmehl gerechnet wird. Wem eine solche «Bachete» zu gross ist, — pro Fuhr schauen immerhin 140 Laib Brot heraus — der teilt sie
mit weiteren Interessenten.
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Heuer notierte Schmidt 14 «Bachete». Die Feschler beteiligen sich mit neun Back-schüben. Dreimal füllen die Leuker den Ofen. Und eine Gruppe von Varen schiebt zweimal die 140 Brotlaibe auf den heissen Stein. Pro 100 kg Mehl zahlen die Einheimischen der Burgergemeinde Feschel (der das Backhaus gehört) 20 Franken, die Auswärtigen 30 Franken.
 
Seit elf Jahren ist das Backhaus von Feschel wieder in Betrieb. Seit elf Jahren gehört es zur Hobby-Beschäftigung von Andreas Schmidt, die «Bachete» zu organisieren. Das Holz, von einer Sägerei bestellt, lag bereit, als Schmidt am Heiligen Abend erstmals in der Backstube anfeuerte. «Man muss zeitig mit dem Heizen beginnen, damit eine gleichmässige Wärme herrscht», erklärt Schmidt.
Die Roggenbrote gehen erst
bei einer Minimaltemperatur
von 32 Grad richtig auf.
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Zwei Tage später, am 26. Dezember, setzte Schmidt den Backofen in Betrieb. Kurz vor Mitternacht knisterte das Feuer im riesigen Steinofen. Während der gan- , zen Nacht hütete Schmidt sorgsam das Feuer. Dreimal legte er Holz nach. «Wenn man die Temperatur zu schnell hochjagt, ruiniert man den Ofen», sagt der
Backchef.
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In der gleichen Nacht, morgens um zwei, bereitete Schmidt den Teig vor. Im Backtrog vermischte er 50 kg Roggenmehl, 7 kg Hefeteig, 2 kg Salz und 50 l Wasser miteinander. Das Gemisch liess er in der warmen Backstube vier Stunden lang stehen. Die 7 kg Hefeteig stammen von der «Bachete» des Vorjahres und überdauerten die zwölf Monate in der Tiefkühltruhe. Jedesmal, wenn eine Teigportion zur Verarbeitung be-
 
reitsteht, werden 7 kg Hefeteig für die nächste Backfuhr
reserviert.
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Vorgestern früh versammelte sich die erste Backmannschaft in der Backstube, um mit der Roggenbrot-Produktion zu beginnen. Die zweite Mehlhälfte wurde beigegeben. Das Durchmischen des Teiges ist ein hartes Stück Arbeit. Arbeit für Männer. Nach weni-gen Minuten tritt der Sauna-Effekt ein. Nicht nur wegen der Schwerarbeit, sondern auch wegen der Hitze. Man spricht von Spitzentemperaturen um die 42
Grad.
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Ein grosser Teigknollen landet auf dem Tisch. Langsam ändert sich seine runde Form, wird lang und länger. In gleichem Rhythmus walken vier Männerarme den Teig zu einer Riesennudel. Mit sicherer Hand werden Portionen abgeschnitten. Was zählt, ist ein gutes Augenmass. Das Brot im Endzustand sollte auf der Waage immer Gleiches anzeigen: 1,2 kg.
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Natürlich zerfallen die einzelnen Arbeitsgänge in leichte und anstrengende Jobs. Wer am Brottrog den Teig durchmischt, hat für Scherze nichts mehr übrig. Anders der Mann an der «Brotlaibsa»: Er knetet Teig-turm für Teigturm in eine Holzschüssel mit Schnitzerei