| Festbuch Dorffest & Heimattagung 11.10.1996 | |||
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GUTTET UND SEINE GESCHICHTE
Guttet
ist ein schmuckes Dörfchen in den Leukerbergen und befindet sich auf 1345
m.ü.M. Die Gemeinde Guttet zählt heute 340 Einwohner, welche vorwiegend
in den Weilern Grächmatten und Wiler wohnen, wo vor allem die letzten
Generationen ihre eigenen Häuser bauten. Das Dorf selbst errichtete man
im Schütze des Bannwaldes und wird östlich durch den "Tschuggen"
begrenzt. Es befindet sich auf felsigem Boden und der Betrachter vom Tal
könnte meinen, es sei am Hang angeklebt. Vom Simplonmassiv bis zum Rhoneknie
reicht die unvergleichliche Aussicht aufs Rhonetal und die Walliser Alpen.
Der von unseren Vätern errichtete alte Dorfkern blieb seit Jahren kaum
verändert. Über diesem kleinen urtümlichen Bauerndörfchen thront stolz
unsere kleine St. Wendelinskirche. Das kleine Kirchlein und seine Gläubigen
haben in der Vergangenheit trotz ihrer unscheinbaren Grosse für Aufregung
und Geschichte gesorgt. Einen Einblick auf die Ereignisse wollen wir dem
Leser dieser Festschrift im nachfolgenden Abschnitt vermitteln.
Im Jahr 1863 wurde
die Pfarrei Guttet-Feschel mit Sitz in Guttet gegründet. Bis dahin gehörten
die beiden Gemeinden der Pfarrei Leuk an. 1879 erhielt man vom Bistum
in Sitten den Befehl, eine Kirche bis zum Jahr 1901 zu bauen. Die Lasten
gingen jeweils zur Hälfte an beide Gemeinden. Die "Guttner"
wehrten sich jedoch dagegen, denn sie wollten lieber die bestehende
Wendelinskirche vergrössern. Dies wurde jedoch in Sitten abgelehnt.
Im Herbst 1899 entbrannte der berüchtigte Kirchenstreit. Sitten akzeptierte
den heutigen
Standort der Pfarrkirche als Bauplatz. Guttet stellte sich entschieden
gegen diesen Entscheid. Die Gemeindeversammlung beschloss daraufhin
am 22. August 1900 eine eigene Pfarrei, ohne Feschel, zu bilden. Das
Gesuch wurde jedoch vom Bischof abgelehnt. Nach dem gescheiterten Einigungsversuch
vom 05. April 1901 durch Generalvikar und Domherr Meichtry, beharrte
die Gemeinde weiterhin auf eine eigene Pfarrei. Da platzte wohl dem
Bischof in Sitten der Kragen, und er verhängte über Guttet den Kirchenbann.
Der Pfarrer von Leuk im schwarzen Messgewand verkündete auf der Kanzel:
"Wir beerdigen heute Guttet, da es vom Glauben abgefallen ist".
1903 bewilligte der Bischof der Gemeinde Guttet, eine eigene Pfarrei
zu gründen und hob den Bann auf. 1922 wurde Ferdinand Bregy Priester
von Feschel. Ihm gelang es, Frieden zu stiften und am 12. Januar 1925
wurde der ausgearbeitete Vertrag für eine neue Pfarrei Guttet-Feschel
mit Sitz auf dem Wiler in der Herz-Jesu-Kirche durch beide Parteien
unterzeichnet. Das
Leben unserer Väter war rauh und verlangte viel von ihnen ab. Der karge
Boden gab nur wenig her und so waren viele gezwungen, auswärts ihren
Lebensunterhalt zu verdienen. Mancher junge Familienvater musste Frau
und Kinder im Dorf zurücklassen, um in monatelanger Abwesenheit irgendwo
als Forst- oder Stollenarbeiter etwas Geld für das Allernotwendigste
zu verdienen. Die schulentlassenen Mädchen verdienten in Hotels einige
Batzen und schickten yom verdienten Geld etwas zurück an die Familienangehörigen.
Einige von ihnen versuchten ihr Glück in Übersee oder in der Deutsch-
und Westschweiz.
Bei
der Inbetriebnahme der Hüttenwerke in Chippis stellte sich eine grosse
Besserung der Situation ein, obwohl noch keine Strasse nach Guttet führte
und die "Chippisser" zu FUSS bis Leuk und von dort mit dem
Car auf "die Schicht" mussten. Nach mühevoller Arbeit in der
Fabrik nahmen sie im Sommer wie im Winter diesen beschwerlichen Weg
auf sich, um dann, zuhause angekommen, in ihrem kleinen Landwirtschaftsbetrieb
oder in den Reben weiterzuarbeiten.
Im
Jahre 1932 stimmte der Grosse Rat dem Begehren der Gemeinden Guttet
und Feschel zu, eine auf 4 Lose aufgeteilte Strasse von Leuk nach Guttet
zu bauen. Das letzte Los konnte dann schlussendlich, verzögert durch
den Zweiten Weltkrieg, im Jahre 1947 fertigerstellt werden. Die heutige
Dorfstrasse datiert vom Jahre 1963, die Umfahrungsstrasse vom Jahre
1982. Um die mühevolle Arbeit in der Berglandwirtschaft soweit wie möglich
zu erleichtern, baute man zusätzlich einige Flurstrassen.
Das
erste elektrische Licht in Guttet brannte am 30. Oktober 1944. Noch
lange aber dominierte in den kleinen, durch kinderreiche Familien bewohnten
Häuschen, der Geruch nach Karbit- und Petrollampen.
Die
eigentliche Wasserversorgung des Dorfes nahm man 1959 in Angriff. Bedingt
durch die überaus grosse und unwegsame Strecke von der Bachalpe bis
nach Guttet und Grächmatten, wohl das aufwendigste und schweisstreibenste
Werk unserer Gemeinde.
Im
Jahre 1968 -1969 folgte die Aussenrenovation der Pfarrkirche auf dem
Wiler und der Bau des Pfarrhauses. Anfangs der siebziger-Jahre erstellte
Guttet als eine der ersten Gemeinden des Oberwallis eine ÄRA. Den Bau
des Schulhauses auf dem Wiler schloss man 1972 ab. 1985 -1986 baute
man das alte Schulhaus in Guttet in die heutige Gemeindekanzlei um.
Nach 2-jähriger Bauzeit konnte man 1994 den Werkhof und das Feuerwehrlokal
einweihen. Im gleichen Jahr erstellte man die Zivilschutzanlage und
richtete den neuen Schulhausplatz ein. Zur Freude der Einwohner, die
die Tradition des Roggenbrotbackens aufrechterhalten, unterzog man in
diesem Jahr das Backhaus einer teilweisen Innenrenovation. Ebenfalls
in diesem Jahr noch werden die Sportbegeisterten ihren langersehnten
Sportplatz in Anspruch nehmen können. Gegenwärtig wird das Wohngebiet
"Zälg" in Grächmatten durch zwei Stichstrassen erschlossen.
Die Restaurationsarbeiten unseres kleinen Kirchleins in Guttet sind
ebenfalls abgeschlossen, und es wird am 20. Oktober durch den H.H. Bischof
Brunner Norbert neu eingeweiht.
Es
hat sich viel getan in den letzten Jahren und einiges steht noch bevor.
Hoffen wir, dass uns der Hl. Wendelin weiterhin beschützend zur Seite
steht und uns auf dem richtigen Weg in die Ungewisse Zukunft begleitet.
Amade
Meichtry
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