Walliser Bote 28. September 1998
 
 
Ja zur Fusion der Munizipalgemeinden,
Nein zur Fusion der Burgergemeinden

Die Gemeinden Guttet und Feschel stimmten über die Fusion der Munizipal- und
Burgergemeinden ab — Historischer Urnengang für andere Gemeinden
 
Guttet/Feschel. — Die Bevölkerung der beiden Leuker Gemeinden Guttet und Feschel spricht sich klar für eine Fusion der Munizipalgemeinden aus. Die Zusammenlegung der Burgergemeinden scheiterte an drei Stimmen der Burgergemeinde Guttet.
Fazit: Die Verwaltungen reichen ein Gesuch für die Fusion der Einwohnergemeinden an den Staatsrat ein. Definitiv hat dann der Grosse Rat das Ansinnen der Bevölkerung per Dekret zu genehmigen. Die Zusammenlegung der Burgergemeinden ist ein «Thema der Zukunft», wie Staatsrat Jean-Rene Fournier, der am Sonntag in Feschel seine Aufwartung machte, gegenüber dem WB festhielt.
Die Argumente sprachen mehrheitlich für eine Zusammenlegung der Gemeinden.
Die emotionsgeladene Abstimmung der Fusion zwischen den beiden Leuker Gemeinden Guttet und Feschel brachte einen Teilerfolg. Die Munizipalgemeinden können auf Wunsch der Bevölkerung der beiden Gemeinden auf Ende der nächsten Verwaltungsperiode fusionieren. Die Burgergemeinden müssen getrennt geführt werden, was in beiden Gemeinden einen personellen und finanziellen Mehraufwand erfordert.
Finanzausgleich —
das grosse Thema

Wie wir in einer früheren Nummer und in Pro- und Kontra-Beiträgen im «Walliser Boten» dargelegt haben, war die faktische Halbierung des Finanzausgleichs praktisch der einzige Grund, ein Zusammengehen in Frage zu stellen. Feschel bezog bisher um die 290000 Franken und Guttet um die 296 000.— an Finanzausgleich Mit der Fusion, so war in einer ersten Erhebung zu erfahren, müsste nach der Zusammenlegung praktisch und selbstverständlich mit einer Halbierung gerechnet werden.
Die kantonalen Instanzen hatten vor der Abstimmung festgehalten, dass in Zukunft mit knapp 304000 Franken gerechnet werden könne. In Feschel werden rund zwei Drittel und in Guttet ein Drittel aller Finanz- und Steuereinnahmen durch den kantonalen Finanzausgleich erzielt.
Feschel: Nur eine
Gegenstimme

Von den 94 Einwohnern aus Feschel sind 73 stimmberechtigt. Mit je nur einer Gegenstimme wurde die Fusion der Munizipal- und Burgergemeinde angenommen. 52 der 53 an die Urnen schreitenden Stimmfähigen sprachen sich für die Zusammenlegung der Einwoh- nergemeinde aus. 38 der 39 Burgerstimmen waren für eine Fusion mit Guttet.
Martin Schnyder, Gemeindepräsident von Feschel, hatte ohne eigentliche Opposition in seiner Gemeinde mit einem Ja-Anteil von 75 bis 80 Prozent gerechnet. «Dass die Bevölkerung so geschlossen hinter der Verwaltung stehen würde und sich nur gerade ein Feschler ge-

 
gen die Fusion aussprach, davon konnten wir nicht ausgehen», hielt er gegenüber dem WB fest.
«Ein Faktum war sicher, dass uns die Walliser Regierung für die nächsten vier, fünf Jahre noch den vollen Finanzausgleich zusicherte», meinte Schnyder. «Weil die Burgerfusion nicht zustande kam, müssen wir uns, sofern keine Veränderung eintrifft, mit der Ernennung von Burgerräten befassen, was in einem Bergdorf unserer Grössenordnung sehr schwer wird, aber dem Willen der Burger von Guttet entspricht», schlussfolgerte Schy-dei.

Guttet:
Burgergemeinde gegen
die Fusion

Wesentlich emotionsgeladener als in Feschel war die Abstimmung in der grösseren Gemeinde Guttet. Das spiegelte sich nicht nur im Vorfeld der Abstimmung, sondern auch im Resultat wieder. Von den 269 Stimmfähigen gingen 238 an die Urne. 132 stimmten dafür, 105 dagegen. Fusion der Muni-
zipalgemeinde genehmigt. Anders was die Burgergemeinde anbelangt. Von den 200 Burgern gingen 176 an die Urne. 86 stimmten für die Fusion, 89 dagegen. Mit einem Neinplus von drei Stimmen war die Fusion der Burgergemeinde im Keller. Für Gemeindepräsident Egon Kuonen war der Ausgang der Abstimmung keine Überraschung. Nach der Opposition im Dorf hatte er mit einem knappen Ausgang für beide Fusionspläne gerechnet. «Nach meiner Meinung war es vorwiegend die ältere Generation von Guttet, die sich mit der Fusion der Burgergemeinde nicht einverstanden erklären konnte», kommentierte er die Abstimmung gegenüber dem WB. «Den Volkswillen haben wir zu respektieren.»
In Gesprächen mit den Burgern wird dieses Thema wohl nochmals erörtert werden müssen, denn eine getrennte Verwaltung macht nun auch in Guttet wenig Sinn, war von den Befürwortern zu hören. Für den Moment ist alles klar: Die Munizipalgemeinden können fusionieren, sofern der Staatsrat
und der Grosse Rat zustimmen. Die Burgergemeinden müssen auf Zusehen hin getrennt geführt werden. pr
Die Fakten
Gemeinde Feschel
Fusion Munizipal-
gemeinde:

Stimmberechtigte: 73
Stimmende: 53
Gültige: 53
Ja: 52, Nein 1.

Fusion Burgergemeinde:
Stimmberechtigte: 51
Stimmende: 39
Gültige: 39
Ja: 38, Nein: 1. /

Gemeinde Guttet
Munizipalgemeinde:
Stimmberechtigte: 269
Stimmende: 238
Leer: l
Gültige: 237
Ja: 132, Nein: 105.
Burgergemeinde:
Stimmberechtigte: 200
Stimmende: 176
Leer: l
Gültige: 175
Ja: 86, Nein: 89.

 
Letzte Aktualisierung: 3.4.2002