Walliser Bote 3. Januar 2002
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Kleine Gemeinde ganz gross
Herzlicher Neujahrsempfang in der fusionierten Gemeinde Guttet-Feschel
Guttet-Feschel. — Der Neujahrstag stand in der einjährigen neuen Gemeinde Guttet-Feschel im Rahmen des Neujahrs-empfangs ganz im Zeichen der Verbundenheit, in der die Gemeinschaft der kleinen Berggemeinde mit viel Herzlichkeit klar zum Ausdruck kam. Zusammen will man denn auch das Jahr 2002 angehen und so allfällige Probleme lösen, aber auch Erfolgserlebnisse gebührend feiern.
Neujahrsempfänge haben vor allem in grösseren Gemeinden des Oberwallis eine grosse Tra-
dition. In den letzten Jahren wurden sie auch vermehrt in
gäbe. Für einmal war der «Wal-liser Bote» in der fusionierten Gemeinde Guttet-Feschel zu Gast.
Premiere in Gemeinde
Guttet-Feschel

Nachdem sich die Gemeinden Guttet und Feschel zu einer Fusion entschlossen hatten, wurde diese im Oktober 1999 in Kraft gesetzt. Zu Beginn des Jahres 2000 wurden die Geschicke der neuen Gemeinde Guttet-Feschel auch von einer neuen Verwaltung unter dem Präsidium von Hans Rudolf Meichtry übernommen. Das ganze Jahr stand im Zeichen der Fusion und so entschloss man sich am Neu-
jahrstag einen Empfang zu bereiten. «Der Neujahrstag bietet Gelegenheit, das alte Jahr zu verabschieden und dabei einen Rückblick zu machen. Vor allem bietet er aber Gelegenheit, einander die Hände zu reichen, sich gegenseitig alles Gute zu wünschen. Stehen wir zum Jahresbeginn für alles offen, was das Jahr 2002 bringen wird», begrüsste Gemeindepräsident Hans Rudolf Meichtry die Bevölkerung in der voll besetzten Turnhalle auf dem Wiler.
Jungburgerfeier
und Totenehrung

Neben den Neujahrsansprachen des Gemeindepräsidenten und des Ortspfarres, Andreas Wer-len, stand der Empfang auch im Zeichen der Jungburgerfeier.
Mit Nathalie Schnyder, Belinda Oggier, Fabienne Kuonen, Nicole Schnyder, Charly Tenud, Gabriel Kuonen, Philippe Kuonen und Sven Kuonen erhielten gleich acht Jungburgerinnen und Jungburger den Burgerbrief zusammen mit einem Holzteller zur Erinnerung ausgehändigt. Zudem wurden auch acht ehemalige Gemeinderäte sowie verschiedenen Amts- und Würdenträger der Gemeinde für ihre langjährigen Verdienste geehrt. Als Tag der Besinnung und auch des Rückblicks wurde auch der 14 verstorbenen Personen gedacht. Pfarrer Andreas Werlen verwies dabei auf die drei Bücher, nämlich Taufe, Ehe, Tote, welche in einem Pfarrhaus geführt werden. Leider habe das Totenbuch wäh-
rend des letzten Jahres immer ganz oben gelegen, sagte er. Der Zahl der Toten standen beispielsweise nur drei Geburten gegenüber.
Vereine repräsentieren Zusammengehörigkeit
Umrahmt wurden die Neujahrsfeierlichkeiten auf dem Wiler von den Tambouren und Pfeifern sowie dem Kirchenchor. Die Jungtambouren und Jungpfeifer demonstrierten mit ihrer Darbietung, dass die Vereine in Guttet-Feschel rege Aktivitäten pflegen und sie sich um Nachwuchs nicht allzu grosse Sorgen machen müssen. Hans Rudolf Meichtry unterstrich bei dieser Gelegenheit den Stellenwert der Vereine in einem Dorf: «Sie repräsentieren laufend unseren
Ort, schweissen die Bevölkerung zusammen und stärken so das Zusammengehörigkeitsgefühl.» Eine Aufgabe, welche auch am Neujahrstag ihren Sinn und Zweck vollauf erfüllt haben dürfte. Der Empfang und die damit verbundenen Feierlichkeiten vermochten neben einer grossen Herzlichkeit und Verbundenheit das zu vermitteln, was es in einem kleinen Bergdorf eben braucht, nämlich alle Höhen und Tiefen, die auch dieses Jahr bringen wird, gemeinsam anzupacken. Den Ab-schluss der Neujahrsfeierlichkeiten bildeten ein Imbiss und ein Film. Diesen hatte Alwin Meichtry vor 20 Jahren gedreht. Er stellt ein wunderbares Dokument vergangener Zeiten dar.
Miteinander ins Jahr 2002
Der Gemeindepräsident stimmte zuversichtlich
Die drei Lebensabschnitte
Das Neujahr aus der Sicht des Pfarrers
Guttet-Feschel. — Am Neujahrsempfang in Guttet-Feschel fand die Ansprache von Gemeindepräsident Hans-Rudolf Meichtry grosse Beachtung. Mit dem Weltgeschehen, der vollzogenen Gemeindefusion, mit den Gemeindefinanzen und einem Blick in die Zukunft machte er deutlich: «Miteinander schaffen wir auch das Jahr 2002.»
Als eigentlich gutes Jahr bezeichnet, macht der Gemeindepräsident auf die unrühmlichen Geschehnisse in der Welt und der Schweiz des letzten Jahres aufmerksam. Der 11. September und das Swissair-Debakel seien noch in bester Erinnerung. Aber auch die Globalisierung mit ihren Auswirkungen und dem damit verbundenen Wandel in der Arbeitswelt gäben zu denken, strich er hervor. Denkwürdig sei auch die Einführung des Euro, denn die Schweiz müsse lernen, mit der neuen Währung für 300 Millionen Menschen zu leben.
Gute Finanzlage
Erfreut zeigte sich Hans-Rudolf Meichtry über die Tatsache, dass die Gemeinde Guttet-Feschel laut Angelini-Bericht zusammen mit vier anderen Gemeinden die Spitze in Sachen gesunde Gemeindefinanzen anführen dürfe. Ein Umstand, der auch auf die kluge Finanzpolitik der Verwaltungen in früheren Jahren zurückzuführen sei. Immer wieder habe man es verstanden, bei Investitionen entsprechende Finanzquelten anzu-
zapfen. So könne die Bevölkerung stolz sein, über eine ausreichende Infrastruktur zu verfügen. Diese ermögliche zudem einen sanften Tourismus im wahrsten Sinne des Wor-
zur Verfügung zu stehen und sich politisch, auf welcher Ebene auch immer, zu engagieren.
Ein offenes Ohr für
die Bevölkerung

Was für Aufgaben stehen aber in Guttet-Feschel noch bevor? Auch darauf wusste der Gemeindepräsident eine Antwort. Als wichtig erschien ihm dabei die Erschliessung der Bauzone. Dies nicht zuletzt darum, damit junge Leute ein Eigenheim bauen und so im Dorf bleiben können. Ein weiteres Vorhaben gilt dem Anschluss des Weilers Wiler an die ÄRA. Prognosen für die Zukunft seien jedoch schwer auszumachen, doch könne die Gemeinde Guttet-Feschel mit Zuversicht ins kommende Jahr blicken, schloss der Gemeindepräsident seine Neujahrsrede, in der er auch einen Dank an die Bevölkerung, Pfarrei, Amtsträger und Vereine richtete.
Guttet-Feschel. — Gemeinde und Pfarrei sind zwar klar getrennt, doch wurde der Neujahrsempfang in Guttet-Feschel auch aus dieser Sicht gestaltet. Ortspfarrer Andreas Werlen gestaltete seine Ansprache in drei Lebensabschnitte, nämlich in die Vergangenheit, die Zukunft und die Gegenwart. Eingangs seiner Neujahrsgedanken machte Pfarrer Andreas Werlen deutlich: «Eine Pfarrei steht und fällt mit dem Beitrag eines jeden einzelnen Mitmenschen.» Bei dieser Gelegenheit machte er auch auf seine Doppelbelastung — zu zwei Dritteln betreut er die weit grössere Pfarrei Agarn und zu einem Drittel Guttet-Feschel — aufmerksam und bat die Bevölkerung um Verständnis, denn auch er könne sich nicht einfach halbieren. Hinzu kommt immer noch die Distanz, welche zwischen dun beiden Pfarreien zurückzulegen ist.
Versöhnung mit
der Vergangenheit

«Die Vergangenheit gehört uns nicht mehr, wir müssen uns mit ihr versöhnen und sie bewältigen», mahnte Andreas Werlen. Es mache auch keinen Sinn, verbittert zurückzusehen und sie an gemachten Fehlern aufzuhängen. Man müsse auch vergeben können. Vergangenheit heisse auch positive Ereignisse in guter Erinnerung zu behalten und schlechte Erlebnisse vergessen zu machen. Kurzum, es gelte, sich mit der Vergangen-
heit auszusöhnen. In diesem Sinne habe die Vergangenheit ausgedient.
Die Zukunft als
Chance sehen

Ganz anders sei es mit der Zukunft. Sie gehöre den Men-chen noch nicht ganz, mache
Doch lebe sie von Überraschungen, es gelte, sie auch als Chance zu sehen und entsprechend zu nutzen. Man könne in ihr das Interesse am Leben wecken und so auch neue Hoffnungen schöpfen, bekräftigte der Ortspfarrer. Man müsse sich mit der Zukunft befassen, sich mit ihr anfreunden und sie schliess-lich annehmen.
Heute Ja sagen
zur Gegenwart

Die Gegenwart stellte er als Chance am Neujahrstag vor. «Es ist die Zeit, die uns gehört. Wir müssen ihr bewusst und unkompliziert begegnen», beteuerte Andreas Werlen. Der Gegenwart mit Respekt begegnen, sie in ihrer Eigenart nutzen, denn nur so stelle sie eine vielfältige Bereicherung im Leben dar.
Zur Gegenwart müsse man auch Ja sagen können und die Devise müsse sein: leben und leben lassen, fuhr er fort. Die Gegenwart stelle schliesslich auch das Leben in der so wichtigen Gemeinschaft dar.
Reibungslose Fusion
Das Fusionsjahr sei für Guttet-Feschel ausgezeichnet über die Bühne gegangen. Reibungslos und ohne nennenswerte Diskussionen sei man flott vorangekommen. Es gelte jetzt nur noch die Fusion als solche reifen zu lassen, freute sich Hans-Rudolf Meichtry.
Dafür verantwortlich zeichneten einerseits das Vorgehen der Verwaltung und andererseits die Unterstützung der Bevölkerung. Die Fusion als solche sei eine gescheite Sache gewesen und es lasse sich so gut regieren, sagte er weiter. Die Jungbürger forderte er auf, die Verantwortung wahr
zunehmen, der Öffentlichkeit
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Gemeindepräsident Hans-Rudolf Meichtry mit Komplimenten an die Bevölkerung für deren Bereitschaft zum Gemeinschaftssinn.
Ortspfarrer Andreas Werlen mit Ausführungen über die dre
Lebensabschnitte Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart.


Letzte Aktualisierung: 3.4.2002