| Guttet-Feschel
/ Das Dorf zeigt sich von seiner schönsten Seite. Die Herbstsonne
taucht Guttet-Feschel mit den beiden Weilern Grächmatten und Wiler
in gleissendes Licht. Postkartenidylle im Herzen des Wallis.
Von Walter Bellwald
Rund 350 Einwohner hat Guttet, das vor drei Jahren mit der
Nachbargemeinde Feschel fusionierte. Insgesamt zählt die neue
Gemeinde Guttet-Feschel rund 450 Köpfe. Die Misstöne und Vorbehalte
gegenüber dem Zusammengehen der beiden Gemeinden sind heute
praktisch verstummt.
Statut gegen Streitigkeiten
Schon lange vor der Fusion war eine enge Zusammenarbeit zwischen
den beiden Dörfern unabdingbar. So versammelten sich am 8. Januar
1535 auf dem Platz der Kapelle von Feschel die Männer von Feschel
und Guttet, um ein Statut aufzustellen. Das Statut enthielt
vier Punkte. Man stellte einen Friedensrichter auf, um allfällige
Streitigkeiten zu regeln und versuchte bereits früher, der Abwanderung
entgegenzuwirken: Man regelte, dass jeder 10 Schilling zu bezahlen
hatte, der all seine Güter verkaufte. Wenn eine Frau oder eine
Tochter auswärts heiratete, musste sie 3 Pfund bezahlen. Ausserdem
wurde unter Strafe verboten, einander auswärts zu verklagen.
Weitere wichtige Verordnungen folgten in zeitlich unterschiedlichen
Abständen (Quelle: „Feschel und seine Geschichte”).
Brennerei-Aufseher
Diese strengen Sitten und Bräuche gehören der Vergangenheit
an. Heute sucht man nach anderen Lösungen. „Die Fusion war nötig“,
ist Toni Schmidt (44), gelernter Schreiner und Gemeindearbeiter,
überzeugt. Seit drei Jahren steht Schmidt im Amt. Neben seiner
Arbeit in der Gemeinde frönt der zweifache Familienvater seinem
Hobby, der Brennerei. Seit über zwölf Jahren kontrolliert er
die Privat- und Lohnbrennereien der vier Gemeinden Guttet-Feschel,
Albinen, Erschmatt und Bratsch. Zusammen mit seiner Frau Philomena
führt er selber auch eine Lohnbrennerei. Zwischen Dezember und
März werden hier jeweils an die 150 Liter Schnaps hergestellt.
Viele Landwirte und Hobby-Winzer lassen sich hier ihr Fallobst
in geistreiche Flüssigkeit verwandeln.
Die Schnaps-Brennerei
Schon stehen ein paar Fässer mit der sogenannten „Maische“ bereit,
um später im Brennofen zu verdampfen. Die „Maische“ besteht
aus zermantschten Früchten, die mit Wasser angereichert werden.
Dieser Brei wird über eine längere Zeit zwischengelagert, bis
die Gärung eintritt. Später wird die „Maische“ im Brennofen
erhitzt. „Der daraus entstehende Dampf wird über das sogenannte
„Geistrohr“ aufgefangen und abgekühlt“, erklärt Toni Schmidt.
Daraus entsteht Schnaps. Mit dem Alkoholmeter werden die Volumenprozente
gemessen. „Nach dem ersten Brand hat der Schnaps zwischen 45
und 47 Volu-
menprozente.“ In einem weiteren Brennvorgang, dem sogenannten
Litru, werden die Volumenprozente erhöht, bevor sie auf 45 Grad
reduziert werden. „Durch den zweiten Brennvorgang wird der Schnaps
viel milder“, weiss der Schnapskenner.
Historische Bauten
Guttet-Feschel hat mehr zu bieten als eine Lohnbrennerei. Die
Antoniuskapelle mit Barockaltar entführt den Besucher in eine
andere Zeitepoche. Das Museum, das Burgerhaus mit der historischen
Zehndenfahne von Leuk oder das Backhaus geben Einblick in das
(frühere) Schaffen der Guttner und Feschler. Jeweils zur Vorweihnachtszeit
wird im alten Backhaus noch heute kräftig eingeheizt. Die Kirche
auf dem Wiler, die dem heiligen Wendelin gewidmet ist, grüsst
von weitem den Besucher. Aber nicht nur historische Bauten findet
man im idyllischen Bergdorf. Auch die Neuzeit hat Einzug gehalten.
Der Funkturm auf dem Wiler sorgt für die kommunikative Verbindung
mit der Aussenwelt. |