D i e   a u f l a g e s t ä r k s t e   Z e i t u n g   d e s   O b e r w a l l i s

 
      
Eine alte Tradition lebt in Guttet-Feschel wieder auf
Spezialitäten aus der Rauchkammer

 
Guttet-Feschel / In Guttet-Feschel wird noch nach alter Tradition Fleisch geräuchert. In einer Rauchkammer werden die Fleischwaren aufgehängt, bis sie den einzigartigen Geschmack haben. Die RZ war für einen Augenschein vor Ort.

Von Walter Bellwald

Es ist kalt an diesem Wintertag. Der erste Schnee hat sich im Dorf festgesetzt. Toni Schmidt (44), der in Feschel wohnt, will heute seine Rauchkammer einheizen und verschiedene Fleischwaren räuchern.

Die Rauchkammer
„Schon meine Eltern haben das Fleisch geräuchert“, erzählt Toni und zeigt auf die schwarze, stählerne Rauchkammer, die im Erdgeschoss untergebracht ist. Die massige Kammer hat unten ein Zugloch, damit genügend Luft eintreten kann. Gegen oben hin kann der Rauch durch einen Kamin entweichen. Die Feuerstelle ist trichterförmig angelegt. Das wichtigste beim Räuchern ist, wie der Name schon sagt, die Rauchentwicklung. „Die Innentemperatur in der Kammer sollte sich immer zwischen 15 und 20 Grad bewegen“, erklärt der Experte. Darum muss das Feuer in regelmässigen Abständen überprüft und die Rauchentwicklung gefördert werden.

Starke Rauchentwicklung
Bevor die Speckseiten in die Rauchkammer kommen, werden sie eingesalzen. Dann werden sie an Holzstäben befestigt und in die Rauchkammer gehängt. Auch Schinken, Würste und Trockenfleisch kommen dazu. „Wichtig ist, dass sich das Rauchgut gegenseitig nicht berührt“, belehrt mich Toni. „Das könnte die Haltbarkeit der Produkte nachteilig beeinflussen.“ Nachdem die Fleischwaren aufgehängt sind, wendet sich der Fachmann dem Feuer zu. Dafür wurden trockene Palmenzweige gesammelt, die sorgfältig auf die Feuerstelle, der sogenannten „Grüöba“, aufgeschichtet werden. Auf die Palmenzweige wird trockenes Sägemehl verteilt. Dadurch bewirkt man, dass sich kein eigentliches Feuer entwickelt, sondern nur ein Schwelbrand. Daraus entsteht eine starke Rauchentwicklung.

Spezialität
Wenn die Glut vor sich hin schwelt und die Rauchentwicklung stimmt, wird die Kammer geschlossen. In regelmässigen Abständen von ca. zwei Stunden muss das Feuer erneut geschürt und angefacht werden. „Wenn das Feuer eine zu starke Hitze entwickelt, muss das Sägemehl mit Wasser angefeuchtet werden“, erklärt Schmidt. Während zweieinhalb Tagen bleibt das Rauchgut in der Kammer. „Das Räuchern beeinträchtigt nicht nur den Geschmack, sondern ist auch für die Haltbarkeit sehr wichtig.“ Nachdem das Fleisch in der Rauchkammer war, wird es im Spycher aufgehängt und fertiggetrocknet. Erst später werden die schmackhaften Spezialitäten aufgeschnitten.