Walliser Bote, 10.09.07: Vom Charme des Kleinen

Walliser Bote, 15.09.07, Hut ab

 
     
 

Walliser Bote, 10.09.07

Vom Charme des «Kleinen» . . .
Der Dorfplatz von Feschel bot Bühne für «Swiss Liberty»
«Wir könnten viel, wenn wir zusammenstünden», ertönt aus den Lautsprechern. Was da wackere Innerschweizer Tell-Genossen ab Tonband sagen, setzen Musiker und Sänger auf dem Dorfplatz zu Feschel in die Tat um: Mit viel Engagement, vereinten Kräften und Erfolg.

«Swiss Liberty», ein «Musiksinghörspiel» den Nationalhelden made in Switzerland, nannte sich, was die Albiner MG «Alpenrose» zusammen mit dem Kirchenchor Guttet-Feschel präsentierte. Ein Freiluftspektakel rund um good old Wilhelm Tell, das bewies:
Auch in kleinen Bergdörfern lässt sich Kultur entdecken, die zwar aus Traditionellem schöpft aber nicht verstaubt daherkommt.

Unterstützung erfuhren die Sängerinnen und Sänger, die Musikerinnen und Musiker zum einen von Dichter Friedrich Schiller alias Patrick Venetz: Ruhig und ohne Patzer berichtete er in gekonntem Deutsch über das Geschehen rund um den Freiheitskampf der wackeren Innerschweizer. Zum andern und dies ein für alte Hörspielfans besonderer Genuss gab es alte Tonbandaufnahmen zu hören: Szenen aus Schillers «Wilhelm Tell», aufgenommen im Jahr 1960.

Die Geschichte von Tell wohl niemandem unbekannt, der da der «Swiss Liberty» beiwohnte. Auch die Lieder, die von Chor und Musikgesellschaft dargeboten wurden, waren zumindest für die ganz Jungen im Publikum recht bekannt: Hits von Queen und anderen Grössen.
Doch war es dieses Zusammengehen von «Schiller-Worten» und «Pop-Rock-Klängen», das dem Ganzen den besonderen Reiz verlieh. Dass dabei auch der Schweizer Psalm per Elektrogitarre anrollte passte bestens.

Was nicht unerwähnt bleiben darf die «Licht-Einlagen», die für viel Ambiance auf dem Feschler Dorfplatz sorgten.
So kleidete man mit wechselnden Farben den ganzen Platz in eine spezielle Atmosphäre, da liess man Gesslers Hut und Armbrust alles auf Hausfassaden projiziert Kreise drehen. Und selbst Wilhelm Tell stand dabei immer wieder kopf . . .

Was Musikgesellschaft, Kirchenchor und andere Kräfte da in Feschel boten gute Kost. Das Publikum geriet dabei trotzdem ziemlich ins Schlottern. Wofür allerdings Wettermacher Petrus verantwortlich zeichnete: Er bescherte alle Anwesenden zwar mit einer sternenklaren, aber eben «saukalten» Nacht . . .
Immerhin etwas, was Linderung gegen diese Kälte bot: Armeedecken passend zu Wilhelm Tell.

Es muss nicht immer und alles mit grosser Kelle angerichtet werden, um spannend daherzukommen: Dies die eine «Botschaft», die sich da aus Feschel mitnehmen liess. Auch zeitgenössisch aufgetischte «Bergdorfkultur» hat ihren besonderen Charme dies eine andere Einsicht. Und dass Projekte wie «Swiss Liberty» nicht nur zwei kleine Dorfvereine, sondern auch Dorfschaften kitten, versteht sich von selbst und sei zur Nachahmung empfohlen. blo

 
  Walliser Bote, 15.09.2007


«Hut ab» in Feschel
«Hut ab» nicht vorm Gesslerhut, aber vor der Musikgesellschaft «Alpenrose», Albinen und dem Gesangverein Guttet-Feschel für ihr gelungenes Musiksinghörspiel. Was die beiden Vereine an diesen Herbstabenden auf dem Dorfplatz von Feschel gemeinsam inszenieren, verdient Anerkennung. Wilhelm Tell, vorgetragen aus dem Originaltext von Friedrich Schiller und musikalisch inszeniert mit modernen umgeschriebenen und sehr gut vorgetragenen Liedern und Musikstücken, dies ergiebt eine interessante Kombination. Ein spezielles Kompliment gebührt den Solisten aus den beiden Vereinen und dem Sprecher Patrick Venetz. Die Dirigentin des Kirchenchors, Susanne Steiner, und der Dirigent der Musikgesellschaft, Christian Pfammatter, haben es verstanden, mit den Albinern, Guttnern und Feschjern ein gemeinsames Werk zu schaffen. Sie alle haben bewiesen, dass kulturelles Schaffen auch auf Dorfebene eine gute Qualität erreichen kann. Wir haben uns sehr gut unterhalten an diesem Abend, auch wenn hin und wieder die Technik etwas streikte. Der schöne Abendhimmel und die abwechslungsreiche Beleuchtung samt am Haus kreisenden Tell haben auch viel zu einem schönen Erlebnis beigetragen.
Wer sich vor oder nach der Aufführung in die Hohle Gasse begibt, wird in den vier Lokalitäten kaum Gessler oder Tell, wohl aber viele Bekannte treffen können. Wir hoffen, dass der gebildete Kitt zwischen den beiden Vereinen und Dörfern auch in Zukunft Früchte tragen wird und die Idee Nachahmer findet.
Marianne und Edmund Steiner-Hertig, Erschmatt